Deep Techno Cast #8 Lex Juno

Nach längerer Pause ist mal wieder ein Mix entstanden, der dem Blog nicht vorenthalten werden soll. Dreht sich hier doch für 2,5 Stunden alles um Techno in seiner Ursprungsform. Gemixt von Lex Juno mit Vinyl und Liebe aus den Taunusclub Studios. Tracks kommen von Minilogue, Fred P, The Third Man, Cos/Mes, Donnato Dozzy, André Galuzzi und vielen weiteren. Zum Wohle!

English Version:

A 2,5 hours technoset with tracks mixed by Lex Juno with vinyl and love from the Taunusclub Studios. Tracks by Minilogue, Third man, Cos/Mes, Donnato Dozzy, André Galuzzi and many more. Cheers!

Deep Techno Cast #8 Lex Juno by Deeptechno on Mixcloud

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Deep Techno Cast #7 Sven Blutke

Kurz vor Jahresschluss gibt es einen neuen Mix für den Deep Techno Cast. Dieser stammt von dem in Koblenz gebürtigen und in Frankfurt beheimateten Dj Sven Blutke. Here we go…

 

Tracklist:

  1. Robag Wruhme – Bommsen Böff – Pampa
  2. Lawrence – Kurama – Pampa
  3. Marc de Pulse – Lessons In Dub – Ostwind
  4. Lawrence – Oolong High – Pampa
  5. Helmut Dubnitzky – Uuuhaaah (Gorge Rmx) – Brise
  6. Giuseppe Cennamo – Wannabe – 8Bit
  7. Interelektrika – Rosemary – Rennbahn Rec.
  8. Giuseppe Cennamo – Please Hold On – 8Bit
  9. Marc de Pulse – Gegen den Strom – Ostwind
  10. Timo Jahns – Schoen Schnoe – Freundchen
  11. Dominik Eulberg – Der Tanz der Glühwürmchen (Kollektiv Turmstrasse Rmx) – Traum

5 Questions to…

Sven Blutke

1. Sven, sag uns ein bischen was zu Dir und Deinem Set für den Deep Techno Cast. Wie ist es entstanden und was war Dir wichtig dabei?

Ich bin 37 Jahre alt, lege seit gut 15 Jahren auf., in den letzten Jahren vor allem in Bars. Der Mix ist am Vorweihnachtstag zuhause entstanden, klassisch mit Vinyl auf zwei Plattenspielern. Das Set sollte meinen aktuellen Sound wiederspiegeln und Lust auf mehr machen.

2. Als langjähriger DJ im Rhein-Main-Gebiet, was geht zur Zeit in der Stadt, was sind Deine Secret Spots?

Eine interessante Location ist in der Honsellbrücke Frankfurt, wo in den vergangenen Wochen ein paar coole Partys stattfanden.  Nicht neu aber mit neuer Soundanlage das Silbergold. Kleine, intime Location mit tollen Parties.

3. Plattenläden schließen und Onlinestores florieren, anstelle von Zeitschriften rücken immer mehr spezialisierte Musikblogs in den Vordergrund. Was sind Deine Inspirationsquellen im Netz um neue Musik zu entdecken?

Ich höre mir sehr viele DJ-Podcasts im Netz an aber auch in der Beziehung bin ich eher “old-school”. Die größte Inspiration sind Sets von anderen DJs in Clubs und nach wie vor liebe ich es, im Freebase nach Platten zu stöbern und mich mit anderen darüber auszutauschen.

4. Wie hast Du das Jahr 2011 empfunden? Was hat Dich musikalisch bewegt?

2011 fand ich musikalisch sehr interessant. Labels wie Visionquest , Crosstown Rebels oder Cécille haben klasse Platten veröffentlicht. Da ich überwiegend als Warm Up DJ oder in Bars auflege, kam mir der etwas “langsamere” und deepe Sound sehr entgegen. Außerdem habe ich viele nette DJ-Kollegen kennengelernt und auf tollen Veranstaltungen gespielt. Hervorzuheben der sonnige Sonntagnachmittag auf dem Museumsuferfest mit Mr. Rod und Martin Hlauscheck und der 3-tägige Drinx-Closing-Marathon.

5. Wie siehst Du die Entwicklung der elektronischen Musik 2012 und was sind Deine Pläne für das kommende Jahr?

Ich denke, der Sound wird sich nicht stark verändern, könnte mir aber vorstellen, dass wieder verstärkt Tracks mit Vocals produziert werden.  Meine Pläne für 2012… ich hoffe auf einen anständigen Sommer und ein paar Open Air Bookings.

Drei aktuelle Plattentipps:

Lawrence – Kurama – Pampa Rec.
Green Velvet ft. Russoul – Millie Vanillie Dub – Relief Rec.
Unknown – Spiderpig – Einfach 004

Upcoming Dates:

06.01.2012          Mosaiic Bar – Frankfurt
27.01.2012          Geckotronic  – Gecko Lounge – Koblenz

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Deep Techno Cast #6 Lex Juno

Lang ist es her, dass es einen Deeptechnocast gab, doch nun ist es soweit. Lex Juno hat ihn für die eigene Seite gemixt und er leitet mit sanfter Melancholie die Herbstsaison ein. Gefeatured werden fast ausschließlich frische Tracks der Monate September / Oktober 2011, natürlich strictly Vinyl. Aufgenommen wurde das Set in den Taunusclub Studios.

 

Und hier ist die Tracklist:

IMC – gravity – Illegal Music Communication
Fritz Kalkbrenner – Kings in exile (Chopastick & Johnjon) – Suol
Pollyester – German love letter (Permanent Vacation Mix) – Permanent Vacation
Flowers & Sea Creatures – A.M. – Buzzin Fly
Daniel Bortz – Boyz 2 men – Suol
Terrence Dixon – return of the speaker people (kaustos sudden aphasia mix) – Shanti Records
Ian Simmonds – The Tokio Drifter – Musik Krause
Quell – Alsos – Ibadan
Francois X – Code Red – Deeply Rooted House
Quinto – Someday is now – KTV
Rone – So so so – Infine Music
Bonus Track

Viel Vergnügen beim Hören!

DJ Lex Juno

Geprägt durch die Clubnight bis 2002 und den Frankfurter Sound entwickelte der aus dem Taunus stammende Dj und Producer Lex Juno schnell seinen ganz eigenen Stil. Beeinflusst ebenso durch darken Drum & Bass aus Uk wie kölschem minimalem Techno, detroiter Melancholie und progressiveren Rhythmen. Dem Rave nie abgeneigt und stets mit Überraschungen gespickt, segelt Lex Juno durch die unterschiedlichsten Spielarten elektronischer Musik. House oder Techno, minimal oder überbordend, all das steht hier nicht im Gegensatz. Die unterschiedlichsten Stile verwebt Lex um so besondere Momente zu kreieren und Verbindungen herzustellen.

Und diese Verbindungen fanden auch im echten Leben statt. Als Teil des Netaudioprojektes BEAT-Boutique hostete Lex Juno über 7 Jahre lang monatlich eine Sendung mit einer Vielzahl unterschiedlichster Gäste. Sein aktuelles Projekt Deeptechno.com versucht nun,die Erfahrungen und Klänge in Worte zu fassen, neue Künstler und alte Bekannte zu featuren und vor allem Ausschau zu halten nach ungehörtem Sound.

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Deep Techno Cast #5 Christian Gassmann

Deep Techno Cast #5 Christian Gassmann by Deeptechno on Mixcloud

 

5 Questions to…

Christian Gassmann


Christian Gassmann ist das, was man ohne Übertreibung ein Urgestein des Frankfurter Nachtlebens bezeichnen kann. Groß geworden im Omen und XS wurde er 1995 selbst als DJ tätig. Seine Partyreihe “Burningdown” gastierte seitdem in nahezu allen elektronischen Clubs des Rhein-Main-Gebietes. Und auch nach seinem Umzug nach Wien baut er das Konzept von Burningdown… stetig weiter aus. Was Wien von Frankfurt unterscheidet, welche Pläne er für 2011 schmiedet und was einen perfekten Club ausmacht erklärt er im   Interview für Deeptechno.com.

Wie ist dein Mix für Deeptechno.com entstanden und welches Equipment war im Einsatz?

Entstanden ist der Mix am heißesten Tag des Jahres bei ca. 36 Grad mitten in der Hitze von Wien! Gemixt wurde mit Vinyl und 2x Technics 1200 MKII , 1 Rane Rotary Empath Mixer und 1 Coolmax Ventilator. Der Hund war auch dabei.

Du bist kürzlich von Frankfurt nach Wien umgezogen. Wo siehst Du die Unterschiede im Nachtleben? Was macht die Wiener Szene aus?

Das stimmt, ich bin vor einem Jahr aus freien Stücken von Frankfurt nach Wien gezogen.
Die Unterschiede im Nachtleben und der Clublandschaft würde ich schon als riesig bezeichenen. Erstmal muss man sagen, dass es in Wien eine Sperrstunde gibt! Das heißt, das Clubbing ist um 6:00 zu Ende. Das ist einfach nur furchtbar für Frankfurter, Berliner oder Hamburger… Es ist für mich immernoch eine riesige Umstellung, nicht solange im Club bleiben zu dürfen, wie ich gerne möchte (oder es gewohnt war). Da es früher anfängt und auch früher schluß ist, fällt natürlich eine ganze Menge an Musik und Djs weg, deren Sound meiner Meinung nach einfach um solche Uhrzeiten noch nicht funktioniert. Das finde ich persönlich schade.

Die Wiener Szene macht eine herrliche Vielfalt an Festivals, Clubs, Djs, Vjs, und Musikschaffenden aus. Außerdem mag ich, dass hier im elektronischen Musikbereich alles noch nicht so ernst und professionalisiert zugeht wie in Deutschland . Die leute, die ich  kennengelernt habe, stehen nicht auf Hypes oder Headliner und sind sehr zugänglich und interresiert an neuen Einflüssen.
Das Wiener Clubpublikum, was ich bis jetzt erlebt habe ist schwierig. Der Exzess blitzt zwar hier und da auf, aber wirklich gehen lassen tun sich hier nur wenige leute. Es ist wohl manchmal eher ein Sehen und Gesehen werden, was wohl an der jahrhundertelangen Monarchie liegen mag!? Whatever…

Was macht das Konzept von “Burningdown” aus und wie ist es entstanden?

Burningdown ist für mich nicht nur eine Veranstaltungsreihe bei der es um Housemusic, deepen Techno und Discomusik geht. Es ist vielmehr ein Lebensgefühl! Aus dem Nichts und total abgebrannt etwas enstehen zu lassen, was über viele Jahre seinen Wert erhält und sich nicht kommerziellen Hypes unterordnet… Praktisch ein echtes  Undergroundprojekt. Entstanden ist die Veranstaltung 1999 im Rhein Main Gebiet um mir und meiner Posse ein warmes Nest zu geben, abseits jeglichen kommerziellen Standards, die es auch damals schon im technobereich gab. Es geht ja schließlich nicht um bunte Flyer, große Namen und kommerziellen Erfolg, sondern einzig und allein um die Musik.

Wo soll die Reise mit Burningdown hingehen?

Burningdown steht für anspruchsvolle elektronische Musik, mit Herz und Verstand vorgetragen für ein Publikum weit ab des Mainstreams. Burningdown strebt natürlich nach einem eigenen Club. Aber in Wien zb. müssten sich noch einige Rahmenbedingungen bzw. Gesetze ändern, damit das realisierbar wäre. Burningdown hat nämlich keine lust auf Sperrstunden und eingebaute Limiter!
Hier noch ein paar Djs und Vjs, die in dem letzten Jahrzehnt bei Burningdown zu Gast waren.

dj dolores – dj alessio scano/turin – buster keaton/playhouse – alex  joannou/deeptechno.com – chelo scotti/hamburg/goldenpudel club – tempted touch/frankfurt – moniac/smokyhouse – dr. lovejoy – emad parandian/haknamrec.berlin – soundcompound/mainz – manilaputa/visual – eduard pilotek/12zollrec.berlin – dj mog – mr. rod/rootknoxx – dj dime – philipp lenz/bpitchcontrol – dj maes – dj digitaler -  schokoprinz/breitenbach – ein mann besiegt die angst – peter schumann/catenaccio – paul brtschitsch/rootknoxx – pixelfehler/visual – dj delegoano/dj-mixes.com …

3 Platten für die Ewigkeit?

The Immortals / The ultimate Warlord / zyxrec. 1979
Vapourspace / Gravitational Arch of 10 / Plus8rec. 1993
Sven Väth / Robot – Hardfloor rmx / eyeQrec. 1994

Upcoming Dates:

19.08.2011 Burningdown at Roxy Club / Vienna Austria
02.09.2011 Burningdown at Fürstenbahnhof / Bad Homburg Germany
03.09.2011 Burningdown at Tiffanys / Bad Homburg Germany *cancelled*
29.10.2011 Burningdown at Roxy Club / Vienna Austria

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Elevate To The Shelter at Gambrinus

ELEVATE TO THE SHELTER

date / 25.06.2011

location / gambrinus – bad homburg

start / 22h

entrance / 4€

lineup /

alex joannou
bo deep

*one night//
*two true djs//
*no hypes – just music//
*from chicago to london and berlin//
*strictly vinyl elemental house and techno sound//

 

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Superlimited oder das Schallwerk im Zeitalter seiner digitalen Reproduzierbarkeit

Die Festplatte quillt über, die neuesten Alben werden in Zehnerpacks heruntergeladen und die schier endlose Flut der Neuheiten in den Online Plattenläden, die sich bis zur Ununterscheidbarkeit selbst kopieren, prägen den Status Quo der elektronischen Musik. Ganz Technoland? Nein! Einige von unbeugsamen elektronischen Kriegern veröffentlichte Platten schaffen es immer wieder, den Hörern das Gefühl eines besonderen Moments zu geben. Das Gefühl, etwas Einzigartiges für sich, und nur für sich, genau in diesem Moment entdeckt zu haben. Sie erwecken den Drang, ein Musikstück unbedingt als verkratztes Vinyl besitzen zu müssen, obwohl man den Track längst als Mp3 glasklar und in Dauerrotation hören kann. Sie bringen einem dazu, tagtäglich die Neuerscheinungen durchzugehen, nur um keine Perle zu verpassen. Sie treiben die Menschen dazu, die absurdesten Preise für eine Platte auszugeben und auch noch glücklich dabei zu sein. Wie schaffen sie es, einem eigentlich im Überfluss vorhandenen Gegenstand wie einer Schallplatte einen fast schon heiligen Charakter zu verleihen?

Es muss eine Kraft geben, die über die rein akustischen Qualitäten eines Musikstückes hinausgeht. Eine Art Aura umgibt manche Releases und lässt sie zu nahezu magischen Gegenständen werden, während andere hingegen völlig belanglos in der Masse untergehen. Sie lädt ein Objekt wie die Schallplatte auf mit Bedeutungen und Symbolcharakter. Nicht mehr nur die Musik wird zum Objekt der Begierde, sondern all die Eindrücke, Geisteshaltungen und sonstigen Botschaften, die durch eine Platte transportiert werden. Die Aura macht einen Alltagsgegenstand zu etwas Einzigartigem und Mystischem.

Dabei beschränkt die Aura sich bei Weitem nicht auf Musik. Auch in anderen Bereichen der Kunst tritt sie zutage. Sie ist ein Symptom des Wunsches nach einem “Original”. Doch was ist heutzutage überhaupt noch ein Original? Sampling und Zitation sind ein anerkanntes künstlerisches Ausdrucksmittel und durch die unbegrenzte Verfügbarkeit nahezu jedes kulturellen Gutes sollte man sich doch eigentlich längst von so etwas wie dem “Original” verabschiedet haben. Also was genau macht diese “Aura” aus, die auch vor Techno keinen Halt macht?

Der Beweis der Echtheit

Da die Produktions- und Verbreitungsmethoden von Musik inzwischen so weit professionalisiert sind, gleichen sich die hergestellten Produkte einander immer mehr an, sowohl was den Inhalt, also die Musik angeht, als auch ihre Gestaltung und ihre Vertriebsform. Das Individuelle rückt immer weiter in den Hintergrund. Der Vertrieb übernimmt das Mastering, das Design und die Verteilung auf dem Markt. Der Künstler ordnet sich diesem System unter, er wird zum reinen “Produzenten”. Um ein gewisses Maß an Echtheit und Persönlichkeit wieder herzustellen, bedarf es quasi eines “Beweises der Echtheit”. So setzt sich Omar S in sein Appartment und beschriftet mit einem Filzstift jede seiner selbst geschnittenen Platten und macht sogar ein Foto von sich, wie er mit einer Pistole bewaffnet seine Kunst beschützt. Labels wie „A.R.T.less“ und „Styrax“ nähen in mühevoller Kleinarbeit einzelne Stoffaufnäher auf die Inlays und wiederum andere Labels wie beispielsweise „Workshop“ bedienen sich des guten alten Kartoffelstempels um der Schallplatte die Authentizität wiederzugeben, die sie im (Re)Produktionsprozess verloren hat. Der Kreativität sind dabei keine Grenzen gesetzt. Eine einfache Schallplatte wird zu einem Gesamtkunstwerk, das möglichst alle Sinne anspricht. Das geht soweit, dass eine CD wie Richard Skelton aka A Broken Consorts “Box of Birch” in einer Holzschatulle mit eigens gesammelten Blättern und Tannenzapfen ausgeliefert wird.

Das Signal an den Käufer ist deutlich. Wenn etwas derart akribisch verziert wurde, muss es der Inhalt auch wert sein. Außerdem entsteht ein sinnlicher Kontakt mit dem Künstler. Jedes Release ist durch dessen Hände gegangen, keines gleicht dem anderen. Die Künstler schaffen so ihre Identität nicht mehr allein durch klangliche Abgrenzung, sondern auch durch gestalterische.

Doch dies gelingt nicht immer. Der Trend zur „Auratisierung“ kann ebenso missglückte Züge annehmen, wie man an den ganzen Sublabels mit dem Zusatz „limited“ oder „coloured“, die jüngst wie Unkraut aus dem Boden sprießen, sehen kann. Ja, auch Echocord reiht sich ein in die Riege der Trashlabels, die sich dieses „neuen Marketingkonzeptes“ bedienen. Eine farbige Platte mit einem gestempelten Cover macht noch lange kein Kunstwerk. Hält der Inhalt nicht das, was die Verpackung verspricht, so wird die Verpackung zum reinen Selbstzweck. Statt einer künstlerischen Aura entsteht lediglich eine künstliche.

Limitierung

Nun, da die Persönlichkeit künstlich wieder hergestellt wurde, bedarf es eines weiteren Schrittes zur Vervollständigung der Aura: Die begrenzte Verfügbarkeit. “Vinyl only”, “Limited to 150″ oder aber “First special Pressing” sind zu einem gängigen Releaseprinzip geworden. Die Gebrauchtmarktpreise übersteigen teilweise schon am Tag der Veröffentlichung den Neupreis um das Vielfache.

Welchen Sinn kann es machen, ein wunderbares Stück Musik nur einem so begrenzten Kreis von Menschen zugänglich zu machen? Die Antwort ist ebenso simpel wie effektiv. Der Jagdinstinkt wird geweckt. So durchforstet man tagtäglich alle einschlägigen Plattenshops, Vertriebe und Labels um möglichst keinen dieser raren Schätze zu verpassen. Doch die Rarität ist dabei rein künstlich und dient lediglich dem Zweck der Auratisierung. Ein Mythos wird geschaffen.

Jeder, der über Monate und Jahre unentwegt nach einem seltenen Klassiker bei Discogs oder anderswo gesucht hat, wird das Gefühl kennen, wenn er endlich seine Trophäe in den Händen hält. Und schon entdeckt man die nächste Rarität und die Jagd beginnt von vorn.

Doch was hat der Künstler davon? Er erbringt den Beweis seiner Street Credibility. L’art pour l’art, der wahre Künstler macht sich nichts aus Geld, er macht es für “die Sache”. So wird er zu einem modernen Helden: unnahbar und authentisch. Oder er verkauft seine Platte gleich für 50 € wie Moodymann. In beiden Fällen steigt der Kultfaktor. Doch wo ist die Grenze? Als logische Konsequenz bleibt nur noch, einfach gar nichts mehr zu veröffentlichen und ausschließlich live zu spielen. Damit wäre das Trägermedium an sein Ende gelangt.

Der Repress – Verrat oder Segen

Erstaunlich häufig wird dieser Zauber der Einzigartigkeit in letzter Zeit zerstört. Immer mehr verschollen geglaubte Klassiker erblicken das Licht der Welt aufs Neue in Form eines Represses. Das unausgesprochene Versprechen, das eine Platte mit ihrem Käufer eingeht, wenn er eines ihrer begrenzten Exemplare ergattert, wird gebrochen. So macht sich häufig Frustration in der Gemeinde der Plattensammler breit. Ihnen wird mit einem Schlag die Künstlichkeit der Limitation vor Augen geführt. Die Folge ist das Gefühl des Betrogenwordenseins, obwohl der eigentliche Inhalt des “Originals” doch stets der gleiche bleibt.

Labels wie “Slow to Speak” oder die “Cabin Fever Reihe” auf “Rekids” haben sich zur Aufgabe gemacht, den Mangel an Verfügbarkeit zu durchbrechen. So erscheinen dort Klassiker von Chez Damier & Ron Trent, Kerry Chandler, Bobby Konders, Ron Trent und Barbara Tucker in neu gemasterter Form.

Was des einen Leid ist des anderen Freud. So haben diese Rereleases für viele auch wieder ihr Gutes. Sie ermöglichen es einer jungen Generation, die Geschichte kennenzulernen und aufrecht zu erhalten. Die Fülle an Represses markieren ein neues Bewusstsein im Umgang mit dem künstlich Raren. Ein Umdenken und eine Rückkehr zum Wesentlichen, der Musik als Träger der Emotionen, findet statt. Und diese sollte am besten jedem zugänglich gemacht werden. Elektronische Musik wurde als Abkehr von Hierarchien und Starkult im Musikbusiness entworfen und sollte sich nicht durch Limitation eigene Grenzen setzen. Nada Brahma, Alles ist Klang und Klang ist Alles.

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Deep Techno Cast #4 Pierre

Es geht Schlag auf Schlag in unserer Podcast Reihe. Dieses Mal erwartet euch ein wahres Highlight. Denn Pierre erweist Deeptechno.com die Ehre mit seinem exklusiven Beitrag zum Deep Techno Cast. Bekannt geworden durch das unerreichte Stammheim (möge es in Frieden ruhen) ist Pierre nach wie vor unermüdlich für die Sache unterwegs. Jüngst eröffnete sein neuer Club “Home” in Frankfurt die Pforten und bereichert die äußerst karge Technolandschaft mit einer kompromisslosen Location, die in dieser Form seit Jahren gefehlt hat. Beheimatet in der Kommunikationsfabrik im Gallusviertel gibt es hier Woche für Woche erlesene und außergewöhnliche Bookings zu genießen. Und wer Pierre kennt, der weiss, dass wenn er selbst an den Reglern steht nahezu alles möglich ist. Viel Vergnügen mit diesem sommerlich psychedelischen Ausflug aus dem Hause “Home”.

Deep Techno Cast #4 Pierre by Deeptechno on Mixcloud

 

5 Questions to …

Pierre


Wie ist Dein Mix für den Deep Techno Cast entstanden. Welche musikalische Idee hast Du damit verfolgt?

Das Set ist eine Liveaufnahme eines meiner Sets im Home Club im Februar. Die Idee dahinter ist der Weg einer Emotion in musikalischer Ausdrucksweise und Kompromiss aus gegebenen Track Repertoire.

Dein neuer Club “Home” in Frankfurt hat vor kurzem die Tore geöffnet. Was zeichnet den Club aus, was macht ihn besonders in Frankfurt und Umgebung?

Letztlich macht einen Club immer aus, welche Gäste ihn besuchen. Im Vorfeld macht diesen Club aber aus, dass er über eine tolle Soundanlage verfügt, einen Lichtperformance Modus der Eigenklasse aufweist und die mit Abstand preislich und qualitativ besten Drinks der Stadt bietet. Nicht erwähnenswert, dass wir auch nettes Personal haben und dufte Musik gespielt wird.

Im März gibt es einige Highlights im Booking. Auf wen freust Du dich persönlich am meisten und warum?

Am 5.3. fand die erste Dubstep Veranstaltung statt, das war für mich sehr interessant. In den folgenden Tagen ist mir die Sonderveranstaltung am 17.3 Donnerstags für gehörlose Menschen sehr wichtig. Ein alter Freund Niklas (Dapayk) kommt am Folgefreitag zu Besuch und Ende des Monats “Alte Schule” mit Swayzak, aber ansonsten sind mir sowieso alle Dates wichtig.

Die Residents haben schon immer einen Laden ausgemacht. Wie hat sich Dein Sound in den letzten 10 Jahren verändert. Was ist dir heute wichtiger geworden?

Wichtig ist mir nach wie vor das gleiche, Fusion. im Gegensatz zu der Zeit vor 10 Jahren hat sich die Bereitschaft des Publikums, Crossover zu hören, noch stärker entwickelt. Alle Styles melten sich zwischen 120 und 130 bpm, was viel Freiraum ausmacht. Und wie eingangs erwähnt, das Publikum zieht mehr mit bei solch einer Demonstration wie vor 10 Jahren.

Was sind deine Pläne für die Zukunft?

Den Club positionieren und meinen Arsch wieder ins Studio bekommen.

Links:

http://www.homeishome.de/

Monatsprogramm Home März:

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Deep Techno Cast #3 Bo Deep

5 Questions to…

Bo Deep

Du selber heisst Bo Deep, was genau bedeutet für Dich das Wort “deep” überhaupt?

Mit dem Wort “deep” assoziiere ich in der Musik warm klingende, melodiöse, oft etwas langsamere Stücke mit einem hypnotisierendem Groove. Dafür steht es auch in meinem Namen. Deep soll aber auch beschreiben, dass in meinen Sets eine gewisse Vielschichtigkeit zu erwarten sein kann- eine Art tiefes Eintauchen in die verschiedenen Richtungen der elektronischen Musik.

Welche Musikarten faszinierenden Dich neben House und Techno? Wo siehst Du spannende Entwicklungen?

Ich höre eigentlich jede Musikart und bin der Meinung, dass, ein offenes Ohr vorausgesetzt, eigentlich überall interessante Entwicklungen zu sehen sind. Neben Techno und House höre ich viel Electronica, Ambient, Drum & Bass, Breakcore, Hip Hop und auch verschieden Arten des Rock.

Welche Musik hörst Du am Liebsten zum Einschlafen?

Das kommt auf die Stimmung an. Meistens aber Drone, Ambient oder Modern Classical.

Wie siehst Du die Entwicklung in der elektronischen Musik? Gibt es eine im Techno, wenn ja wo geht es hin?

Rein von der Entwicklung auf dem Plattenmarkt, würde ich sagen, dass im Techno und House die klassischen Elemente wieder aufgegriffen werden und man versucht diese mit neuen Sounds zum Leben zu erwecken. Während mir das sehr gut gefällt, finde ich es auf der anderen Seite etwas bedaurerlich, dass zur Zeit auch sehr viele einfache, sehr toolige Tracks (Stottervocal-House und Bimmel-Minimal ;)) veröffentlicht werdem, die man genauso schnell vergisst, wie sie erschienen sind. Dies hat sicherlich auch mit der zunehmenden Digitalisierung zu tun, durch die vieles viel leichter released werden kann.

Drei Klassiker für die Ewigkeit für Dich?

aus der elektronischen Musik:

1. Autechre- VLetrmx21
2. Air- All I Need
3. Moodymann- J.A.N

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Boris the Spyder feat. Abe Duque – The Mission


Wie man es von Abe Duque gewohnt ist, beschränkt sich das Artwork seiner Platten auf seinem eigenen Label stets auf ein paar Insignien die wie mit einer Sicherheitsnadel tief ins Vinyl gekratzt sind. Und so ist es auch bei diesem Release, das unter der Katalognummer Abe Duque Records 3000 läuft. Unnütze Infos sucht man hier vergebens. Was zählt ist das pure Vinyl. Und das hat es in diesem Fall in sich. Der Track “The Mission” tritt hier in verschiedenen Variationen auf. Die etwas längere A Seite kommt dabei am mystischsten rüber. Das liegt zum einen an den geloopten und dubbigen Klongs, zum anderen an den düster gepitchten Vocals, die immer wieder Fragen, was denn nun die Mission sei… The Mission ist in seiner Verplantheit schon wieder so zielstrebig, dass es eine wahre Freude ist. Es wechseln sich spannungsvolle geshuffelte Rimshotattacken mit psychedelischen Melodiefetzen ab. Die jazzigen Trompetensamples kommen hineingesaust und verschwinden ebensoschnell wieder im schwarzen Nichts.

Auf der B wird das ganze etwas tooliger verpackt. Die hypnotisierende Grundmelodie fällt weg, dafür gibt es etwas mehr Schub untenherum. Und Der Abschlusstrack versucht das Ganze dann mit seinen wohlwollenden Flächen zu versöhnen. Dabei wirken die Melodien aber nie kitschig, sie sind viel mehr Zitate an längst vergessene Ravezeiten, die als Erinnerung in den darken Klangwelten mitschwingen.

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Deep Techno Cast #2 Philipp Lenz


5 Questions to…

Philipp Lenz

Wie ist Dein Mix für den Deep Techno Cast entstanden? Welches Equipment war in Gebrauch und was wolltest Du mit dem Mix ausdrücken?

Ich habe versucht Deinem Namen von dem Blog gerecht zu werden und einen Mix zu machen der recht “deep” ist, jedoch auch voll mit Harmonien & Vocals.
Ebenso sind die Tracks fast alle in diesem bzw. letzten Monat erschienen und somit recht aktuell.
Benutzt habe ich die neue Mixkonsole von Native-Instruments Traktor S4.

Was ist Dir wichtig beim Auflegen, was gefällt Dir daran besonders?

Wichtig beim Auflegen finde ich die Anlage und die Location. Durch sie entscheidet es sich was ich Spiele.
Es macht spass Musik auf einer besonders “cleanen” Anlage zu spielen, weil man dann die Menge leichter mitreißen kann durch Musik, die z.B viel Sounddesign hat oder aus vielen kleinen Nuancen besteht.
Ebenso wichtig ist es, dass ich immer genug Alkohol zu mir nehme, da ich beim Auflegen recht schnell dehydriere.

Du produzierst auch selber, woher nimmst Du die Inspiration für Deine Musik?

Ich glaube die meiste Inspiration nehme ich von meiner Arbeit als Tonmeister in Audiovisuellen Medien.
Dort muss ich viel Vertonen und stoße oft auf aufregende Samples, die ich immer wieder gerne in meine Tracks einbaue und verfremde.
Inspirieren lasse ich mich natürlich auch weiterhin, von meinen Club besuchen und aktuellen Sets von Freunden & Kollegen.
Was mich auch sehr inspiriert ist der gute alte Taunus und seine Natur!

Was sind Deine Projekte in Zukunft?

Es ist zur Zeit ein weiterer Track mit Kiki unterwegs, der schon so gut wie fertig ist.
Desweiteren mšchte ich gerne meine Jagdfürst EP rausbringen.

Drei aktuelle Plattentipps?

1 – Psycatron feat. Blake Baxter – She is Music Part 2 (Planet E)

2- Gowentgone – Walk with us EP (Vidab Records)

3- Kiki & Lenz – Morning Maniacs (Bpicht Control Compilation Werkschau)

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